, 29. April 2020

Immobilien und Finanzierung in der Corona Krise

Bild: Thomas Blasczyk

Die „Corona-Krise“, wie Medien die weltweite Situation derzeit benennen, hat Einfluss auf jeden in dieser Gesellschaft. Und umso länger sich diese hinzieht, desto mehr Gedanken macht sich jeder Einzelne um Beruf, Familie, Haus, Geld – seine Existenz.  

Um das Thema Immobilien und Baufinanzierung soll sich der heutige Beitrag drehen. Enrico Gerloff, Büroinhaber von Sorglosmakler, interviewt hierfür den Baufinanzierungsspezialisten Thomas Blasczyk. Thomas Blasczyk ist Niederlassungsleiter der Baugeldspezialisten in Sachsen-Anhalt und somit erster Ansprechpartner für uns auf diesem Gebiet.  

Interview zwischen Enrico und Thomas:

Enrico: Thomas, grüß dich! Schön, dass du die Zeit gefunden hast, hier mit mir dieses Thema zu beleuchten. Möchtest du zu allererst etwas zu deiner Arbeit erzählen? 

Thomas: Danke Enrico, sehr gern! Als Finanzierungsvermittler ist es meine Aufgabe, das nötige Geld zu beschaffen, was den Personen meistens zum Immobilienkauf fehlt. Ich liefere zu den Bedürfnissen meiner Klienten das passende Finanzierungskonzept, wobei mein Klient hierfür nichts zu bezahlen hat. Wir Baufinanzierer werden über die Banken bezahlt. Ich arbeite aber immer im Auftrag meiner Klienten, nicht für die Bank.  

Enrico: Wie ist die aktuelle Situation im Finanzierungsgeschäft? 

Thomas: Dazu mache ich mal einen kurzen Schwenk in meinen Tagesablauf, um diese Frage in einem größeren Rahmen zu beantworten. Vor Corona war es so, dass ich nur Neuanfragen bekam, zum Beispiel Kauf eines Einfamilienhauses oder Bau eines Hauses. Darauf gab ich lediglich ein Ja oder Nein als Antwort, also ja, wir können dies finanzieren, oder eben nicht. 

Heute gibt es natürlich immer noch Neuanfragen, aber wir haben darüber hinaus auch eine ganz andere Aufgabensituation: Wir müssen zum Beispiel auch mit den Leuten sprechen, die eine bestehende Finanzierung haben, weil sie zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit, oder Kurzarbeit betroffen sind. Diese Leute stellen sich natürlich die Frage, was mit der Finanzierungsrate bzw. der Belastung zu machen ist. 

An dieser Stelle ein Appell an alle, die davon betroffen sind: Wendet euch an eure Bank, geht auf eure Bank zu! Nahezu jede Bank ist dazu bereit, mit euch über einen Ratenstundung zu reden. Je nach Bankpartner ist dies bis zu 12 Monate möglich, selbst auch für KfW-Darlehen, so dass man diese Rate aussetzen kann. Es gibt auch noch andere Möglichkeiten wie beispielsweise den sogenannten Tilgungssatz-Wechsel. Die Rate besteht immer aus dem Zinsanteil und dem Prozentsatz der Tilgung.  

Das Wichtigste: geht auf die Banken zu und vermeidet Rücklastschriften, denn nahezu jede Bank ist in dieser Situation gesprächsbereit. Wir bekommen täglich die Informationen von den Banken, wie diese damit umgehen und wie die Abläufe gehandhabt werden. 

Zu den Zinssätzen: diese sind tatsächlich gestiegen. Selbst die KfW mit dem Wohneigentumsprogramm hat innerhalb kürzester Zeit den Zinssatz um 0,3 % erhöht. Und im Schnitt sind die Zinssätze um 0,6 – 0,8 % gestiegen. Das hat aus unserer Sicht jedoch mit dem Kapitalmarkt oder der Zinspolitik der EZB wenig zu tun. Das Problem ist aktuell viel mehr, dass, als es zur Ausgangsbeschränkung kam, sich die Bearbeitungszeiten der Banken nahezu verdreifacht haben. Da die Räumlichkeiten der Banken meistens einem Großraumbüro entsprechen, mussten viele Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt werden oder sind krank. Da Banken vor der Corona-Krise eine Menge an Anfragen bekamen, schaffen sie es nun nicht mehr, diese abzuarbeiten. Das sorgt dann dafür, dass sich viele Banken für uns Vermittler erstmal unattraktiv machen durch eine höhere Kondition. So können sie den Stau nach und nach abarbeiten.  

Was sich außerdem noch verändert hat ist, dass manche Banken und Sparkassen einen Antragsstopp verhängen. Und wir beobachten jetzt auch schon, dass erste Banken im Vergleich zu vor Corona weniger Prozentanteile bei einem Immobilienkauf finanzieren. Es gibt also schon Anzeichen, dass bei den Banken auch eine Unsicherheit herrscht. 

Enrico: Aufgrund des angedeuteten höheren Zinsniveaus – was empfiehlst du, sollte man lieber warten oder kann man trotzdem eine Baufinanzierung zu beantragen? 

Thomas: Grundsätzlich macht es immer Sinn, sich mit einem Finanzierungsvermittler auseinanderzusetzen und mit ihm ins Gespräch zu gehen. Wenn mich heute jemand anruft und sagt, er bräuchte eine Finanzierung, dann bekommt er nicht gleich morgen einen Darlehensvertrag. Denn dazu gehören unter anderem auch noch ein paar Hausaufgaben, ein Finanzierungskonzept, Unterlagen und eine Beratung sollte erfolgen. Dieser Prozess dauert ein paar Tage. Es haben ja auch nicht alle Banken die Zinsen dementsprechend angepasst, die Anpassungen sind noch überschaubar. Wenn ich jedoch im Gespräch feststelle, ich hätte einen Bankpartner, der perfekt zum Käufer passt, UND es wäre davon auszugehen, dass sich die Zinsen nach der aktuellen Situation wieder reduzieren, dann kann man gucken, ob man den Antrag in ein paar Wochen stellen kann. Diese Entscheidung liegt jedoch immer beim Kunden, da ein gewisses Risiko trotzdem da ist. 

Jetzt Finanzierung anfragen

Enrico: Wie siehst du die Zukunft in Bezug auf die Banken, erkennst du eine Unsicherheit und in welche Richtung gehen die Zinsen? 

Thomas: Zum Thema, ob wir es in Zukunft genauso leicht haben werden, Finanzierungen zu platzieren als in der Vergangenheit – ich gehe schon davon aus, dass die Zinsen niedrig bleiben, ich denke sie werden nicht weiter steigen. Es wird sich allerdings in den Anfragen etwas ändern: Selbstständige bekommen gerade nahezu keine private Finanzierung, da die Unsicherheit dort sehr groß ist. Die Banken werden in Zukunft schauen, aus welcher Branche dieser Selbstständige kommt und wie er die Krise überstanden hat. Wenn ich mir vorstelle, dass ein Gastronom nicht entsprechende Rücklagen aufgebaut hat, heute Hilfskredite und Soforthilfe vom Staat beantragen muss, die er wiederum nach der Krise zurückzuzahlen hat, ist davon auszugehen, dass er keine Baufinanzierung erhalten wird. Auch bei Angestellten wird man genau schauen müssen, denn viele müssen aufgrund der Krise ihren Job aufgeben oder werden gekündigt. Bei Aufnahme einer neuen Tätigkeit, selbst im gleichen Unternehmen, steht im Vertrag dann ein neues Eintrittsdatum. Liegt der Antrag der Finanzierung in den ersten sechs Monaten nach diesem Eintrittsdatum, könnte dies eine Baufinanzierung behindern. 

Und ich befürchte, dass die Banken weniger 100%-Finanzierungen geben werden und der Eigenkapitalanteil größer sein wird. 

Enrico: Danke für deine ausführlichen Informationen, Thomas. Was ist dein Fazit? 

Thomas: Mein Fazit ist, dass sich gerade sehr viel verändert. Auch in der Annahmepolitik der Banken, die selbst erstmal die Konsequenzen der Krise beobachten müssen. Ich erlebe aber auch jeden Tag, wie glücklich die Leute sind, wenn wir für sie die Finanzierung für ihre eigenen vier Wände realisieren konnten. Wir werden bei dem einen oder anderen in Zukunft sehen, dass die Hürde etwas höher angelegt sein wird. Selbst das lässt sich aber lösen und es gibt immer eine Möglichkeit, wie man damit arbeiten kann. Es macht natürlich immer Sinn, darüber zu reden! 

Enrico: Thomas, vielen Dank für das Interview! Es war sehr interessant und lehrreich. Sollte jemand von unserer Community Interesse, Fragen oder Bedarf an einer Baufinanzierung haben, wo können sich die Leute bei dir melden? 

Thomas: Am einfachsten könnt ihr mich auf Facebook erreichen oder im Netz finden, in dem ihr meinen Namen „Thomas Blasczyk“ googelt. Wenn ihr einen Beratungsbedarf habt, Beratungen sind grundsätzlich kostenfrei, dann geht auf www.baufiberatung.com, wählt euch euren Termin aus und ich rufe euch zu der ausgewählten Uhrzeit an! 

Jasmin Pessel

Autor des Beitrags:

Jasmin Pessel

Mail: sorglosmakler@remax.de

Telefon: +49 (0)391 – 63 60 45 70

Die neusten Ratgeber

Schreiben Sie uns!